Borrelieninfektion: Borreliose verläuft in drei Stadien

Eine Borrelieninfektion kann völlig unkompliziert verlaufen, aber auch über Jahrzehnte zu immer wieder aufflackernden Krankheitsschüben führen, die die Gesundheit des betroffenen Patienten chronisch untergraben. Hier kommt der Satz des Münchner Arztes und Hygieneforschers Max von Pettenkofer ins Spiel: „Der Erreger ist nichts, das Milieu ist alles.“ Zu seiner Zeit entdeckten Kollegen wie Rudolf Virchow das Bakterium und stellten die These auf, dass Erreger die eigentliche Krankheitsursache seien. Pettenkofer war anderer Meinung. Er glaubte, dass die gesundheitliche Verfassung des Wirtsorganismus, also das geschwächte Milieu des Patienten, Voraussetzung dafür sei, ob ein Mensch überhaupt krank wird und, wenn ja, wie stark er an der Infektion erkrankt. Als Beweis schluckte Pettenkofer, ein kräftiger, gesunder Mann, einige lebende Cholerabakterien. Sie lösten bei ihm lediglich einen kurzdauernden, unkomplizierten Durchfall aus, der sich rasch wieder legte. Vom Vollbild der klassischen Cholera-Erkrankung blieb Pettenkofer verschont, denn sein physisches und psychisches Milieu war robust genug, um mit den Keimen im Vorfeld fertig zu werden.

Auch im Fall der Borreliose ist das dargebotene Milieu, also die gesundheitliche Verfassung des Wirtsorganismus, entscheidend für Ausbruch, Schwere und Chronifizierungsneigung der Krankheit.Borreliose verläuft in drei Stadien. Je geschwächter das Milieu, desto eher entwickelt sich die Krankheit bis zum Stadium III und desto therapieresistenter bleibt sie.

Stadium I

Nach einer Inkubationszeit von etwa 5 – 29 Tagen kommt es auf der Haut zu einem klassischen Ausschlag, der zunächst nur handtellergroß ist, dann aber an Umfang zunimmt: die sog. Wanderröte, Erythema migrans. Sie bildet sich manchmal ohne Behandlung zurück, kann aber auch monatelang bestehen. Ihr Verschwinden ist kein Beweis dafür, dass die Borreliose ausgeheilt ist, da die Erreger im Organismus gestreut haben können. Die Wanderröte nimmt ihren Anfang bei der Einstichstelle der Zecke und breitet sich von dort mehr oder weniger kreisförmig aus, denn die Borrelien wandern vom Insektenstich aus zunächst nur in der Haut ringförmig nach außen (2 cm/Tag). Das Erythema migrans gilt als eindeutiges Symptom für Borreliose. Wenn ein oder zwei Wochen nach einem Zeckenstich diese charakteristische Rötung um die Einstichstelle herum auftritt, ist das eine sichere Indikation für die antibiotische Therapie. Aber Achtung!Die Wanderröte fehlt etwa bei der Hälfte aller Borreliosen. Wenn sie nicht auftritt, ist das noch lange kein Beweis, dass es nicht zur Infektion gekommen ist. Auch darf sie nicht mit der ein bis zwei Zentimeter großen, normalen Rötung an der Einstichstelle verwechselt werden, die als Folge des Zeckenbisses meist stark juckt und in der Regel nach einer Woche wieder verschwindet.

Im ersten Stadium einer Borreliose kann es bereits zu Allgemeinsymptomen wie Schwäche, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen und Fieber kommen.

Auch wenn unter naturheilkundlichen Aspekten das Thema Antibiotika oft und zu Recht kritisch gesehen wird: Bei Patienten mit Borreliose sind Antibiotika ein Muss! Je früher sie gegeben werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit vollständig auszuheilen. Borrelien vermehren sich im Körper langsam, sind vom Immunsystem geschwächter Patienten aber nur mühsam in Griff zu bekommen. Wird die Krankheit lange nicht erkannt und gelangt bis zum Stadium III, kann sie auch mit Antibiotika nicht mehr geheilt werden. Dann haben sich die Borrelien im Gehirn festgesetzt, wohin Antibiotika nicht reichen, da sie die sog. Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können. Vom Gehirn aus gelangen immer wieder Keime in den Stoffwechsel. Dort lassen sie sich antibiotisch behandeln, was die Symptomatik kurzfristig bessert. Das „Nest“ im Gehirn bleibt aber bestehen. In Zeiten von Stress und Immunschwäche flackert die Borreliose wieder auf und führt zu bleibenden Organschäden. Hat der „Teufelskreis“ jener spiraligen Bakterien einmal das Steuerungszentrum des Patienten, das Gehirn, erfasst, ist es höchste Zeit, eine ganz konsequente psychische und physische Terrainsanierung durchzuführen (s. u.).

Stadium II

Etwa drei Monate nach dem Zeckenbiss haben sich die Erreger bei einer unerkannten und nicht behandelten Borreliose im ganzen Körper ausgebreitet.

Im Stadium II treten in stärkerem Maße unspezifische Allgemeinsymptome auf, die leicht zur Verwechslung mit einem harmlosen grippalen Infekt führen können. Typisch sind Erschöpfung, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkentzündungen, Fieber und Lymphknotenschwellungen. Auch Schweißausbrüche, Sehstörungen oder Störungen des Tastsinns kommen vor.

In 10 % der Fälle entwickelt sich eine sog. Neuroborreliose. Hier befällt die Krankheit das Gehirn und Nervensystem. Typisch für die Neuroborreliose sind Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündungen. Dabei kann ein einzelner Nerv betroffen sein und zur Lähmung führen, oder das Nervensystem des Herzens, was Herzrhythmusstörungen nach sich zieht. Auch Herzentzündungen werden in Stadium II beobachtet.

Stadium III

Wird die Krankheit auch im zweiten Stadium nicht erkannt und behandelt, kann sie bei entsprechend geschwächten Patienten in das Stadium der Spätmanifestation übergehen. Die chronische Borreliose ist durch ständiges Wiederkehren charakterisiert. Zwischen den akuten Schüben können zwar Monate und Jahre völliger Symptomfreiheit liegen, doch sobald der Patient durch Belastungen oder Krankheiten geschwächt ist, flackert die Borreliose wieder auf. Typische Symptome des Spätstadiums sind Hirn- und Hirnhautentzündungen, Nervenschmerzen, chronische Erkrankungen der Sinnesorgane, Gelenke und Muskeln, Gefäßentzündungen, Herzkrankheiten und eine unerträgliche Müdigkeit und Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf kaum bessert.

 Quelle

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